Oliver Gastronomicus Riek

Oliver Gastronomicus Riek

Chef de Rang @Irgendwo in Hamburg

"Der Kunde ist König" Mythos und wieso er Blödsinn ist

"Der Kunde ist König" Mythos und wieso er Blödsinn ist Denkt man an einen Kellner, so schießt einem die Metapher eines von oben herabblickenden, älteren Herren, gekleidet mit Frack und Serviette am Handgelenk, welcher dem Gast die Speisekarte auf französisch erklärt. Ein Kellner der nie widerspricht und so der Gast keinen Wunsch hat, gefälligst im Hintergrund steht und devot auf einen Wink wartet. Aus dieser devoten Haltung, aus einem Gästeanspruch der längst antiquiert aber immer noch praktiziert wird, entstand der Mythos vom König- Kunden. Doch heute müsste es doch eigentlich ganz anders sein. In einer Zeit, in welcher die Gleichheit der Menschen, die Achtung der Menschenwürde und die Emanzipation eines unserer größten und höchsten Güter ist, muss auch die Rolle des Kellners eine andere sein. Er ist als Gastgeber die zentrale Figur, er muss leiten und durch den Abend führen, er muss präsent und souverän sein. Er muss Selbstsicherheit und Selbstvertrauen ausstrahlen denn der Gast hat Hunger und Durst. Er erwartet eine Dienstleistung die er anschließend bezahlt, er kauft aber keinen Kellner als "Mietsklaven". Getreu dem Spruch: "Wenn du nicht isst, verhungern wir beide" ist die Beziehung zwischen Gast und Gastronom eine Geschäftsbeziehung, welche auf Augenhöhe einzugehen ist. Natürlich hat der Gast den kleinen Vorteil die Wahl zu haben, wo er essen geht. Jedoch ist Erpressbarkeit der gastronomischen Betriebe auch ein Grund für eine große Unverschämtheit, die Gäste oft an den Tag legen, da sie es ja gewohnt sind, auch dann alles zu bekommen, wenn sie sich absolut unmöglich benehmen. Es geht nicht darum, den Gast sofort vor die Tür zu setzen, sondern darum sich als Gastronom so zu präsentieren, dass dem Gast sofort klar wir "Ich reiße mich mal lieber zusammen." Oft habe ich erlebt, dass Gäste bei kleineren oder größeren Beschwerden sofort etwas "aufs Haus" bekommen, also auch dann für Beschwerden "Belohnt" werden, die in den Augen des Gastronomen unberechtigt oder übertrieben sind. Wieso belohnt man nicht sehr zufriedene Gäste? Denn schließlich lernt man schon als Kin "Wenn du nicht lieb bist, kommt der Weihnachtsmann nicht." Also benimmt man sich doch lieber?! Es ist also mehr Selbstbewusstsein angebracht und wird meiner Meinung nach die Zukunft sein!

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