Tanja Breitbarth

Tanja Breitbarth

Betriebsleitung GV/Business Catering  @Klüh Catering

Philosophie

Überall geistern zur Zeit Stories und Berichte zur Lage der Branche herum. Die Arbeitgeberverbände fordern flexiblere Arbeitszeiten und jammern, dass es kaum noch gutes Personal gibt. Die Gewerkschaft meckert über die Arbeitgeberverbände und die schlechten Arbeitsbedingungen. Die Beschäftigten meckern über die beiden eben genannten und fügen dem noch die Gäste hinzu. Die Gäste wiederum meckern über uns. - Und alle haben sie irgendwo recht. Aber im Grunde ist es das große Ganze, das sich selbst zunichte macht. Es sind die alten Hasen, die nicht an ihren steinzeitlichen Methoden rütteln wollen. Es sind die Jungen und leider oft deplaziert wilden, die sich und ihre Quality-time ins Zentrum des Universums rücken und kaum Sinn für Vehältismäßigkeiten und Differenzierung haben. Und es sind die Gäste, die zwar bereit sind für ihre Lebensqualität Unsummen in tote Materie für dieses und jenes Must- oder Nice-to-have zu investieren, denen aber Essentials nicht billig genug sein können. Ich selber habe im Beruf auch genug zu kämpfen gehabt. Und es gibt sicher gefühlt eine Million Dinge, die mich aufregen und die ich, sehr direkt gesagt, zum kotzen finde. Aber ich mache meinen Job nicht wegen der Branche. Ich liebe einfach meinen BERUF. Und genau das ist der Grund, warum ich mich über die Branche ärgere. Denn sie macht es einem schwer, das auch weiterhin zu tun. Darum studiere ich. Viele meiner Kommilitonen - zumindest die im berufsbegleitenden Kurs - erhoffen sich bessere Gehälter und eine administrative Tätigkeit. Welche Gründe die Direkteinsteiger haben, möchte ich nicht mutmaßen. Ich bin ohnehin der Meinung, dass unter anderem in unserem Fall eine vorherige Berufsausbildung und einige Jahre Praxis erforderlich sein sollten. Ich würde lügen, wenn ich sagte, ich hege nicht latent die gleichen Hoffnungen. Aber der eigentliche Grund ist ein anderer: "Kenne deinen Feind." Das hört sich jetzt sehr radikal, hart und wenig sympathisch an. Aber es ist doch so - wenn man etwas bewegen will, muss man zunächst sich selbst bewegen. Ich bin nicht arrogant genug, um zu behaupten, ich wüsste nach all den Jahren genau wo der Hase lang läuft. Und ich bin nicht dumm genug, um damit zufrieden zu sein, zu glauben zu wissen. Ich gehe den Dingen gern auf den Grund und stelle Zusammenhänge her. Dafür braucht es aber Flexibilität im Denken und eine gewisse Grundausstattung an Wissen. Für letzteres sorge ich gerade. Letztendlich haben alle die sich jetzt beklagen zur aktuellen Situation beigetragen. Allen voran die Branche (wenn man damit die Unternehmen und die Köpfe dahinter betiteln möchte), die es nicht geschafft hat, die Haltung der Industrie für sich zu entdecken und in das selbe Horn zu stoßen. Wir sind zwar Dienstleister. Jedoch ist auch die Dienstleistung nichts anderes, als ein PRODUKT. As simple as that. Warum schaffen wir es als eine der Leitökonomien nicht, unser Produkt auch als eben solches zu verkaufen, statt dem Konsumenten uns in persona feil zu bieten? Die Zeiten des Master-and-servant-Prinzips sind passé. Wollt Ihr unser Produkt? Dann bitte zu unseren Bedingungen. Wir erfüllen Bedürfnisse, teilweise sogar Grundbedürfnisse, Wünsche,Träume. Das darf etwas Wert sein. Die Industrie hat Arbeitszeitmodelle entwickelt, die arbeitsmedizinische Erkenntnisse berücksichtigen sollen. Statt dessen wird bei uns nach schnellen und weniger arbeitsintensiven Möglichkeiten gesucht, z.B. die Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes - welche übrigens erst seit der Einführung des Mindestlohnes und der damit verbundenen Dokumentationspflicht und häufigeren Kontrollen so dringend nötig ist. In größeren Unternehmen könnte hier digitale Unterstützung bei der Dienstplangestaltung in vielerlei Hinsicht nützlich sein. Zufriedene Mitarbeiter sind leistungsbereite Mitarbeiter. Ist es nicht möglich, Modelle zu entwickeln, die eine Teilnahme am sozialen Leben ermöglichen? Wobei niemand davon spricht, dass nicht mehr an den unbeliebten Wochenenden und Feiertagen gearbeitet wird! Die sind und bleiben Hauptgeschäftszeit. Es fragt sich nur, warum es überall sonst im Schichtbetrieb funktioniert. Zuschläge sollten nicht nur die Ausnahme sein. Qualität braucht Bildung (bei allen Beteiligten ) Engagement genau überlegen, in was für einem Betrieb man anfängt [...] Gäste Gäste=Gäste# Herrschaft!

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