Wenn die Gastronomie dich zerstört

Wenn die Gastronomie dich zerstört Vor vielen Jahren fragte ich einen Koch, wieso er den Süllberg Hamburg verließ. Seine Antwort werde ich nie vergessen: "Ich wollte mein Leben zurück!" Damals -ich wollte hoch hinaus- verstand ich es nicht. Auch ich gab Vollgas, arbeitete wie ein irrer, nahm alles hin und sagte nie nein um möglichst unbefleckt die Leiter der Karriere zu erklimmen. Es kam meine Bewährungsprobe, ich wurde zu schnell und zu jung Betriebsleiter eines Restorangs. Zweieinhalb Jahre habe ich zwischen 12 und 16 Stunden gearbeitet, sechs, manchmal sieben Tage die Woche. Die Geburt meines Sohnes und zwei schwere Operationen meiner Exfrau fielen in diese Zeit. Ich versuchte das alles miteinander in Einklang zu bringen. Ich schaffte es nicht. Obwohl ich nach dieser Erfahrung in meinen alten Betrieb zurück ging, war es zu spät: Ich bekam schwere Depressionen und nach nach einem Suizidversuch verbrachte ich drei Monate in einer Psychiatrie. Danach versuchte ich es nochmal etwas entspannter als stellvertretender Restorangleiter in einem Sternerestorang, danach in einem weiteren bis ich erkannte, dass ich meine Grenzen überschritten hatte. Mittlerweile nehme ich mir Auszeiten, arbeite nicht mehr über meine Belastungsgrenze und bin überaus gelassen. Schlußendlich sind wir alle austauschbar. Und das habe ich für mich genutzt. Während andere mit allen Mitteln dafür kämpfen, unentbehrlich zu sein, habe ich nichts dagegen das ich austauschbar bin. Ich kann jungen Kollegen nur den Rat geben: Kennt eure Grenzen, zieht eure Grenzen und überschreitet sie nicht denn wer sich zu sehr verbiegt, bricht irgendwann. Wer sich selber und sein Leben der Gastronomie opfert, geht kaputt. Für was? Einen schönen Lebenslauf? Du hast nur ein Leben und das besteht nicht nur aus Arbeit, erst recht nicht für den Reichtum anderer denn im Grunde bist auch du nur ein Ackergaul den man am Ende auf den Gnadenhof stellt wo sich niemand mehr für dich interessiert.

Karriere
  • 9º

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