Oliver Gastronomicus Riek

Oliver Gastronomicus Riek

Chef de Rang @Irgendwo in Hamburg

"Wer dem Druck nicht standhält ist ein Weichei!"

"Wer dem Druck nicht standhält ist ein Weichei!" Mirco steht in der Küche. Es ist Rush our im Laden, der Chef -ein Sternekoch- ist wie immer kurz angebunden, treibt seine Leute an. Mirco hat seine Ausbildung in einem 08/15 Reatorang gemacht und hatte den Wunsch nach seiner Ausbildung in die Sternegastronomie zu gehen, jetzt als Jungkoch hat er es erreicht. Aber der Chef ist nicht zufrieden mit Mirco, ich bekomme oft mit, wie sehr Chef ihn anbrüllt, zurecht weist, Mirco versucht sich zusammen zu reißen, sich zu konzentrieren. Er ist jetzt einige Monate bei uns, doch seit drei Wochen ist Mirco sehr ruhig, introvertiert. Dann, an einem Sonnabend, passierte es: Während Mirco etwas anrichtet, bekam er Nasenbluten. Nicht die Art Nasenbluten, welches sich nach kurzer Zeit erübrigte, er blutete stark. Der Chef bedauerte es, nicht wegen Mirco, sondern wegen dem plötzlichen Ausfall eines Kochs. Er fluchte, während er versuche den vakanten Posten improvisiert zu besetzen. Mirco ging nach Hause ja kam nie wieder. Einige Tage später erzählte uns der Chef beim gemeinsamen essen das Mirco gekündigt hat, weil er dem Druck nicht gewachsen war und er aus psychischem Druck das Nasenbluten bekam. Wörtlich sagte der Chef: "So ein Weichei! Der hatte eine Chance in die Sternegastro zu gehen und hat versagt! War klar das er es nicht schafft." Ich war baff!!!! Ein Chef der sich so über einen Kollegen auslässt? Dann wurde mir eines klar: Der Personalmangel also ist auch schuld daran, dass Kollegen eingestellt werden, die von vornherein nicht geeignet sind, nur damit die Stelle überhaupt besetzt werden kann? Man wird verschlissen bis man nicht mehr kann, man ist ein Weichei weil die Grenzen der eigenen Belastungsfähigkeit überschritten sind, aus Scham sich krank zu melden. Einige Zeit später kündigte ich und hörte dann ebenfalls von ehemaligen Kollegen, dass auch ich das Prädikat "Weichei" vom Chef bekam. Für mich aber war es der Moment die Grenzen meiner Belastungsfähigkeit zu erkennen und zu respektieren und daraus resultierend sage ich: "Lieber ein Weichei als irgendwann Berufsunfähig!

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