Wie wir im Victor's Fine Dining letztendlich unseren eigenen Stil gefunden haben

@Victor's Fine Dining

Nachdem wir bereits nach wenigen Monaten den ersten und nach knapp insgesamt 19 Beschäftigungsmonaten den zweiten Michelin-Stern bekommen haben, waren wir maßlos überfordert. Zu diesem Zeitpunkt war ich 27 Jahre alt und gehört bereits zu den 10 besten Köchen in Deutschland. Ich war mehr oder weniger eine Marionette des Systems und die Kellner liefen bei uns im Restaurant stocksteif, mit Schwalbenschwanz und Fliege zu klassischer Musik durch das Restaurant. Irgendwann haben wir dann trotz des unglaublichen Zuspruchs von Kollegen und Journalisten realisiert, dass unser damaliger Stil in keiner Weise zu uns passte. Sobald wir dann 2005 unseren dritten Stern erkocht hatten, war ich natürlich sehr sehr glücklich und stolz. Obwohl die Freude sehr groß war, ist innerlich in mir eine kleine Welt zusammen gebrochen. Ich dachte mir, dass ich es zwar allen Kritikern bewiesen habe aber im Grunde genommen mache ich etwas, das mir eigentlich überhaupt keinen Spaß bereitet. Wir waren sehr frankophil geprägt und brachten die Trends von Paris nach Deutschland. Trotz des großen Erfolges habe ich dann das Gespräch mit meinem Chef gesucht und angesprochen, dass wir unseren Stil verändern wollen. Mit viel Vertrauen und Unterstützung unseres Umfelds haben wir dann alles in Frage gestellt, was wir bis dahin gemacht haben und von der Musik bis hin zum Reservierungsprozess einige Dinge und Prozesse modernisiert. Heute kann ich sagen, dass wir das heutige internationale Standing nicht erreicht hätten, wenn wir uns 2005 nach Erhalt des dritten Michelin-Sternes nicht auf die Hinterfüße gestellt hätten und nicht in vielerlei Hinsicht eine Vorreiterfunktion übernommen hätten.

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